Neues zum Thema PBL – Teil 2

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Anja Ducklauß-Nitschke, stellv. Bundesvorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft

PBL – das höchste Gut ist unsere Gesundheit – Teil 2

Rückführungen haben in den letzten Jahren immens zugenommen. Täglich und immer kurzfristiger gehen dutzende E-Mails mit Anfragen in den Direktionen ein. Sie zeigen uns, wie wichtig der Bedarf ist und lassen erahnen, wie es weitergehen wird.

Im ersten Teil unseres Berichtes haben wir auf wichtige Aspekte hingewiesen, an deren Umsetzung das Bundespolizeipräsidium aktuell arbeitet bzw. wozu es Umsetzungsanträge an das BMI weitergeleitet hat.

Jedoch was ist das höchste Gut, welches wir alle haben? Richtig die Gesundheit!

Hierzu hat sich Anja Ducklauß-Nitschke mit einer Kollegin aus dem Arbeitsmedizinischen Dienst zusammengesetzt. Sie schult zukünftige PBL und das mit sehr viel Herzblut, denn jeder Einzelne ist ihr immens wichtig und sie weiß, wie wichtig diese Arbeit ist, aber auch wie gesundheitsgefährdend sie sein kann.

Welche allgemeinen Gesundheitsrisiken bestehen für PBL?

  • Flüssigkeitsverlust, Bewegungsmangel, beengtes Sitzen und die ständig angewinkelte Beinhaltung erhöht das Thromboserisiko
  • Ständig wechselnde Druckverhältnisse durch häufige Starts und Landungen bei Charterflügen
  • Zusätzlich die Gefährdung erhöhter Strahlung

Impfungen für Rückführer

FSME, Tollwut, Cholera, Perstussis, Diphterie, Typhus, Röteln, Mumps, Meningokokken, Masern, Japanische Enzephalitis, Grippe, Polio, Gelbfieber, Hepatitis A + Hepatitis B.

Die hohe Anzahl der Impfungen, sowie die Häufigkeit vorzunehmender Auffrischungen bergen u. U. nachfolgende Gefahren in sich:

  • Allgemeines Impfrisiko (temporäre Schwächung des Immunsystems)
  • Unverträglichkeit des jeweiligen Impfstoffes (Mehrfachimpfung)
  • Erkrankung über Impfungen (mögliches Auslösen der Erkrankung)

Und letztendlich bleibt auch nicht zu vergessen, dass man sich nicht gegen alles impfen lassen kann! Beispielsweise Zika, Dengofieber, Malaria. Für Malaria gibt es ein Stand-by-Medikament, jedoch scheitert dies an dem Vorhandensein, sowie an der Einweisung.

Weitere Infektionsrisiken bestehen beispielsweise mit

  • HIV, Hepatitis C und B
  • hygienischen Bedingungen im Übergabeland; Trinkwasser, Lebensmittelzubereitung etc.
  • Übertragung von Krankheiten durch Würmer, Stechmücken und/oder tierpathogene Agenzien (Krankheiten verursachende tierische Substanzen)

Anja Ducklauß-Nitschke zeigte sich nach dem Gespräch schockiert und zugleich nachdenklich. „Ist jedem von uns bewusst, was es bedeutet PBL zu sein oder zu werden? Und sollten die Rahmenbedingungen Angst machen? Ich sage nein! Es ist so wie der ‚gute Geist‘ des ärztlichen Dienstes sagte, einfach nur wichtig die Gefahren zu kennen, denn dann kann man ihnen am besten begegnen.“

Nehmen wir die Gefahr von Thrombose. Zur Prophylaxe können Thrombosestrümpfe genutzt werden. Diese können nach Angaben der Referatsleiterin 25, unkompliziert dienstlich verschrieben werden.

Eine aus Sicht der DPolG Bundespolizeigewerkschaft erforderliche Ausstattung der PBL mit einer „Reiseapotheke“ ist derzeit leider noch kein Thema bei den Verantwortlichen. Die Beschaffung von beispielsweise Insektenschutzmittel/Zeckenschutzmittel wie „NO BITE“ etc. liegt derzeit noch in der alleinigen Verantwortung des PBL. Hieran darf es jedoch nicht scheitern, denn schließlich machen die Kollegen/innen keinen Urlaub. Dem Dienstherrn sollte die Gesundheit der PBL so wichtig sein, dass er sie weitestgehend vor drohenden Gesundheitsbeeinträchtigungen schützt.

Gleiches gilt für eine persönlich zugewiesene Erste-Hilfe-Ausstattung, dementsprechend regelmäßige Schulungen, sowie die Prüfung auf Ausstattung aller PBL mit einem Strahlenpass (als Vielflieger), denn die erhöhte Strahlenaussetzung ist wissenschaftlich bewiesen, die Folgen jedoch noch nicht wirklich bekannt.

Abschließend machte Anja Ducklauß-Nitschke auf ein Problem aufmerksam, das derzeit noch keines zu sein scheint. Das Thema Anerkennung eines Dienstunfalls, da es aufgrund der Häufigkeit der Einsätze keine Vor- oder Rückkehruntersuchungen gibt. Was ist, wenn sich ein Kollege während einer Rückführungsmaßnahme ansteckt und die Erkrankung erst Jahre später ausbricht? Reicht allein die hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Kollege sich nur bei einer Rückführung angesteckt haben könnte oder muss er sich jahrelangen Prozessen stellen, um abgesichert zu sein? „Bisher ist uns zwar kein Fall bekannt, jedoch muss auch hier einheitlich eine pragmatische Lösung für alle PBL her und nicht erst, wenn es etwas zu entscheiden gibt“, sagte Ducklauß-Nitschke.

Alles in allem sind das Anreize, um PBL zu werden und zeigt aber auch den bereits agierenden PBL, dass sie dem Dienstherrn wichtig sind, er sie in seine Fürsorge einschließt und er ihnen in Form der hoffentlich zeitigen Umsetzung ihrer Anträge und Ideen, für ihr Engagement dankt.

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