Verkürzter Aufstieg: Rohrkrepierer oder Chance zur offenen Laufbahnentwicklung ?

Zum 01. Januar 2015 ist der „Verkürzte Aufstieg“ vom mittleren in den gehobenen Polizeivollzugsdienst (§16 Bundespolizei-Laufbahnverordnung – BPolLV) in Kraft getreten.

Danach können bei einem dienstlichen Bedürfnis Kolleginnen und Kollegen

  • die bei Beginn des Aufstiegs noch nicht 57 Jahre alt sind,
  • sich mindestens im Amt der Polizeiobermeisterin oder des Polizeiobermeisters drei Jahre bewährt haben,
  • in den letzten Beurteilungen überdurchschnittlich bewertet worden sind und
  • erfolgreich an einem Auswahlverfahren teilgenommen haben,

an der sechs monatlichen Aufstiegsausbildung teilnehmen.

Die Ausbildung umfasst eine theoretische Ausbildung von mindestens vier Monaten sowie eine praktische Ausbildung.

Angedacht sind 17 Wochen theoretische Ausbildung und 8 Wochen Praktikum. Es folgen 3 Tage Repetitorium (Wiederholung von Wissen und Kenntnissen) und unmittelbar im Anschluss eine persönliche Vorstellung in einem Prüfungsgespräch an der Bundespolizeiakademie.

Die DPolG Bundespolizeigewerkschaft hatte die alte Fassung hinsichtlich ihrer altersdiskriminierenden Bestandteile (z.B. Bindungen an das Lebensalter) angegriffen und gemeinsam mit dem dbb auch entsprechende Änderungen erreicht. Darüber hinaus konnte im Spitzengespräch mit den Gewerkschaften erreicht werden, dass nicht auf ein „besonderes“ sondern nur noch auf ein „dienstliches Bedürfnis“ abgestellt wird. Die DPolG Bundespolizeigewerkschaft hatte befürchtet, dass bei einem „besonderen dienstlichen Bedürfnis“ der „Verkürzte Aufstieg“ kaum Anwendung finden würde.

Diese Bedenken scheinen nach wie vor sehr berechtigt, weil offensichtlich in einer ersten Planung nicht mehr als 50 Teilnehmer am „Verkürzten Aufstieg“ für das Jahr 2015 vorgesehen sind. Die DPolG Bundespolizeigewerkschaft hält diesen Ansatz für deutlich zu gering und fordert zumindest eine Verdoppelung der Teilnehmerzahl.

Zastrow-2015Sitzung

Hans-Joachim Zastrow
2. Vorsitzender DPolG Bundespolizeigewwerkschaft

Weiter kritisiert die DPolG Bundespolizeigewerkschaft, dass bisher für die verkürzte Aufstiegsausbildung nur Funktionen des Kontroll- und Streifendienstes, des Ermittlungsdienstes und der Sachbearbeitung im gehobenen Polizeivollzugsdienst angedacht sind. „Durch die erfolgreiche Teilnahme am „Verkürzten Aufstieg“ müssen den Kolleginnen und Kollegen alle Aufgabenfelder einschließlich entsprechender Führungsfunktionen im gehobenen Dienst bis A 11 offen stehen“, so der 2. Vorsitzende Hans-Joachim Zastrow. „Die verkürzte Aufstiegsausbildung ist kein Aufstieg zweiter Klasse, es finden lediglich die bereits über Jahre im täglichen Dienst erworbenen praktischen und theoretischen Erfahrungen Berücksichtigung und führen so zu einer Verkürzung des Aufstiegsverfahrens. Alle Funktionen bis zur Ämterreichweite von A 11 müssen deshalb auch erreichbar sein.“

Dringend zu regeln ist durch das Bundespolizeipräsidium auch eine regionale Verwendung der Teilnehmer am Aufstiegsverfahren nach § 16 BPolLV. „Wer möchte, dass der „Verkürzte Aufstieg“ von den Kolleginnen und Kollegen auch angenommen wird, muss für eine weitgehende Standortsicherheit sorgen. Eine vom Dienstherrn angedachte Ämterbegrenzung grundsätzlich auf A10 und eine bundesweite Verwendung werden diese Aufstiegsform zum Rohrkrepierer machen. Aber, vielleicht ist ja gerade dies auch das Ziel aller Bestrebungen?“,so Zastrow.

Die DPolG Bundespolizeigewerkschaft sieht gerade im „Verkürzten Aufstiegsverfahren“ einen Schritt in die Richtung des von ihr initiierten weitgehend prüfungsfreien, laufbahnübergreifenden Qualifizierungsaufstieg.

„Wir wollen, dass diese Aufstiegsform umfangreich genutzt wird, alle Funktionen bis einschließlich A11 zugänglich sind und in der Praxis eine regionale Verwendung gewährleistet wird“, bringt Zastrow die Gewerkschaftsforderungen auf den Punkt.

 

 

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